Kinderschutzkonzept

Inhaltsverzeichnis 

  1. Risikoanalyse + Maßnahmen
  2. Kreiskultur und Feedbackkultur
  3. "Gemeinsame Haltung" - Verhaltenskodex
  4. Meldewesen und Interventionsplan
  5. Personalauswahl und Einarbeitung bei Wild Sein
  6. Verwendung von Social Media, Fotos und Videos bei Wild Sein
  7. Beratungsstellen 

1. Risikoanalyse + Maßnahmen

Umgang mit Risiken in der Wildnispädagogik

Aktivitäten wie Klettern, Schnitzen oder der Umgang mit Feuer sowie wetterbedingte Einflüsse bergen naturgemäß gewisse Risiken. Sowohl wir als auch die Eltern sind uns bewusst, dass der Aufenthalt in der Natur und die damit verbundenen Herausforderungen Teil des pädagogischen Konzepts von Wild Sein sind.

Wir sind überzeugt, dass Kinder ein grundlegendes Bedürfnis nach Wildnis, Abenteuer und selbstbestimmtem Erforschen haben. Werden sie davon abgehalten, besteht ein weit höheres entwicklungsbedingtes Risiko, da sie wichtige Fähigkeiten im Umgang mit Gefahren nicht erlernen. Häufig fehlt in unserer modernen Gesellschaft ein bewusster und sicherer Umgang mit Risiken.

Die Wildnispädagogik bietet einen geschützten Rahmen, in dem Bedürfnisse nach Risiko, Wildheit, Freiheit, etc. Raum gegeben wird und Kinder und Jugendliche lernen, Risiken realistisch einzuschätzen.

Unter der Anleitung erfahrener Mentor*innen üben sie, Feuer zu hüten, sicher mit einem Messer zu schnitzen oder sich achtsam in herausforderndem Gelände zu bewegen. Durch dieses angeleitete Erleben entwickeln sie ein gesundes Risikobewusstsein, Selbstvertrauen und Respekt gegenüber der Natur und ihren eigenen Fähigkeiten.

Gleichzeitig gibt es Kinder, die Schwierigkeiten haben, sich selbst und ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen oder die Grenzen anderer zu respektieren. Unser Team ist darin geschult, solche Herausforderungen zu erkennen und die Kinder dabei zu unterstützen, ihre Selbstwahrnehmung zu stärken und einen respektvollen Umgang mit sich und ihrer Umgebung zu entwickeln. Dabei setzen wir auf klare, wertschätzende Kommunikation, achtsame Begleitung und gezielte Impulse, um ihnen Sicherheit und Orientierung zu geben.

Risiko

Maßnahme

Schnitzen/mit Axt hantieren

  • Regeln im Umgang mit Werkzeug
  • Sensibilisierung der Gruppe auf mögliche Gefahren (Schnitzregeln)
  • Annäherung an das Handwerk unter Beobachtung von Erwachsenen 
  • Vertrauen und eigenverantwortliches Handeln 

Klettern

  • Regeln: zB.: 3 Punkte (Hände und Füße) sollen am Baum sein um ein Herunterfallen zu verhindern)
  • Beobachtung, ob der Baum sicher ist (morsche Äste,...) 
  • Erwachsenen klettern in manchen Fälle vor und beurteilen die Stabilität
  • Sensibilisierung der eigenen Grenzen: Die Kinder lernen sich gut wahrzunehmen und werden ermutigt eigene und andere Grenzen zu wahren 

Feuer

  • Regeln beim Feuer: kein Laufen und “Herumfuchteln” mit glühenden Stecken 
  • Aufklärung über mögliche Gefahren: Funkenflug (Kleidung aus Naturmaterialien bevorzugt), Trockenheit, Feuermaterial, wie hütet man ein Feuer, etc.

Unwetter

  • Wettervorhersagen beachten
  • bei heftigem Sturm wird der Wald gemieden 
  • Ausweichmöglichkeiten bei starkem Unwetter auf Camps (Scheune, Gebäude,...)
  • Gefahren besprechen
  • eventuelle Absage des Kurses

Wildkräuter sammeln

  • Gefahrenhinweis
  • Verwechslungsgefahr mit anderen Pflanzen besprechen
  • Pflanzen dürfen nur mit Absprache eines Erwachsenen gesammelt und verzehrt werden

2. Kreiskultur und Feedbackkultur

Wenn der Kreis seinen Platz in unserer Gesellschaft hätte und angewandt würde, würde unser Leben ganz anders aussehen. Im Kreis würden wir Bestärkung als einen normalen Bestandteil unseres Alltags erleben.

(Christina Baldwin, Calling the Circle)

Kreiskultur - Was versteht man darunter?

Wenn wir uns in einem Kreis zusammensetzen, kommunizieren wir auf Augenhöhe. Ein Redegegenstand hilft uns dabei, die Aufmerksamkeit auf die Person zu lenken, die gerade spricht. Es ist ein Ort um Bedürfnisse, Gefühle, Wünsche und vieles mehr auszusprechen.

Wichtige Bestandteile jeden Kreises

  • Zuhören und ausreden lassen: der*die Sprechende wird nicht unterbrochen
  • Respektvoller Umgang mit dem, was gesagt wurde.
  • Gefühle dürfen ausgedrückt werden, ohne dabei kommentiert oder beurteilt zu werden
  • Grenzen werden respektiert: Jede*r darf sprechen, aber niemand muss (der Redegegenstand darf auch weitergegeben werden)
  • Kreise können bei Konflikten helfen

Wie Wild Sein die Kreiskultur lebt:

Vor und nach jedem Kurs kommen wir gemeinsam in einem Kreis zusammen. Damit dieser Kreis lebendig bleibt und als wertvolles Instrument für eine gute Kommunikation dienen kann, ist es wichtig, dass wir Erwachsenen auf die Einhaltung der Gesprächsregeln achten. So schaffen wir einen sicheren Rahmen, in dem sich die Kinder frei ausdrücken können.

Im Anfangs- und Schlusskreis möchten wir eine offene, wertschätzende und angenehme Atmosphäre gestalten, in der sich alle Teilnehmenden wohlfühlen und ihre Gedanken, Wünsche und Anregungen teilen können. 

Als Vorbilder leiten wir die Gespräche mit gezielten Fragen ein, wie zum Beispiel:

  • Wie geht es dir heute?
  • Was möchtest du heute erleben?
  • Was hat dir besonders gut gefallen – oder was weniger?
  • Gab es Situationen, in denen du dich unwohl gefühlt hast?


Auch die Kursleitenden beteiligen sich aktiv am Gespräch. Indem sie eigene Empfindungen und Beobachtungen teilen oder mögliche Spannungen ansprechen, vermitteln sie Authentizität und zeigen, dass Feedback willkommen und bedeutsam ist. Auf diese Weise erleben die Teilnehmenden, dass Rückmeldungen ein wertvoller Bestandteil des gemeinsamen Lernprozesses sind. Wir fördern damit eine Kultur des respektvollen Dialogs, der gegenseitigen Achtsamkeit und des konstruktiven Umgangs mit Kritik.

3. Gemeinsame Haltung 

Die "Gemeinsame Haltung" ist unser Verhaltenskodex und wird von allen Mitarbeiter*innen "Wild Seins" unterschrieben.

Ich kenne, die in den Statuen formulierten Ziele des Vereins "Wild Sein"

  • Förderung und Vermittlung einer achtsamen, authentischen zwischenmenschlichen Beziehungskultur.
  • Förderung und Vermittlung von Naturverbindung und Umweltbewusstsein.
  • Bewahrung und Weitergabe von nativem, traditionellem Wissen und Handwerk.
  • Förderung der körperlichen Gesundheit und des psychischen und sozialen Wohlbefindens von Menschen aller Altersstufen.
  • Förderung der psychomotorischen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

In meiner Tätigkeit mit Kindern und Jugendlichen:

  • Übernehme ich als Erwachsene*r Verantwortung und schreite bei jeglicher Form von Gewalt aktiv ein und leite, wenn nötig auch weitere Schritte ein, um Kinder oder Jugendliche zu schützen (siehe "Vorgehen bei Verdachtsfall auf Gewalt)
  • Respektiere ich sowohl meine eignen Grenzen als auch die der Kinder und Jugendlichen
  • Schaffe ich ein förderliches und ermutigendes Umfeld, das bewusst mit gesunden Risiken umgeht und Gewaltrisiken minimiert
  • Unterstütze ich Kinder, selbstverantwortlich(e) Entscheidungen zu treffen und Selbstwirksamkeit zu erfahren
  • Achte ich bewusst auf ein ausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz und respektiere individuelle Grenzen.
  • Setze ich mich aktiv gegen diskriminierendes oder sexualisiertes Verhalten sowie gegen körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt ein.
  • Fördere ich eine respektvolle Gesprächskultur (Kreiskultur)
  • Nehme ich die Meinungen und Sorgen von Kindern und Jugendlichen ernst und vermittle bei Bedarf an passende Beratungsstellen
  • Achte ich darauf, dass körperlicher Kontakt nur dann erfolgt, wenn er ausdrücklich vom Kind gewünscht oder notwendig ist (z. B. zur Unterstützung oder als Trost) – stets in angemessener Weise.
  • Gehe ich verantwortungsbewusst mit Social Media und Messenger-Diensten um, teile nur ausgewählte Bilder mit Zustimmung der abgebildeten Personen und behandle persönliche Daten vertraulich.

4. Meldewesen und Interventionsplan 

Wenn wir bei einem Kind auffälliges Verhalten beobachten, es unklare Andeutungen macht, die auf eine Gewalterfahrung hindeuten, oder wir das Gefühl haben, dass es einem Kind nicht gut geht, nehmen wir die Signale ernst, sprechen unsere Beobachtungen im Team an und dokumentieren sie. Bei einem Verdachtsfall sollte die Kinderschutzbeauftragte oder der Vorstand kontaktiert werden. In weiterer Folge kann eine professionelle Beratungsstelle (siehe unten) aufgesucht werden. Wir gehen sorgsam mit unseren Beobachtungen um. Sowohl Erwachsene als auch Kinder können durch Gerüchte verletzt werden. Ein konkreter Verdacht auf Gewalt besteht, wenn jemand über eine Gewalthandlung erzählt oder man selbst Zeug*in wird. In diesem Fall ist es wichtig, überlegt zu handeln und Ruhe zu bewahren. Bei Gefahr im Verzug wird sofort die Kinder- und Jugendhilfe oder die Polizei kontaktiert.

Jedem Teammitglied ist sich bewusst, dass er*sie in der Ausübung der Tätigkeit bei Wild Sein der Mitteilungspflicht an die Kinder- und Jugendhilfe gemäß §37 Bundes Kinder- und Jugendhilfe Gesetz unterliegt.

Diese besteht, wenn

  • ein begründeter Verdacht vorliegt, dass ein konkretes Kind misshandelt, sexuell missbraucht, vernachlässigt wird oder wurde oder sonst erheblich gefährdet ist,
  • die Gefährdung nicht durch eigenes fachliches Tätigwerden abgewendet werden kann und
  • die Wahrnehmung der Gefährdung im Rahmen der beruflichen Tätigkeit erfolgt.


Der Verdacht muss sich auf eine aktuell vorliegende Gefährdung beziehen bzw. müssen in der Vergangenheit liegende Ereignisse eine gefährdende Auswirkung auf die Gegenwart haben.

Ein begründeter Verdacht liegt vor, wenn konkrete - über Vermutungen hinausgehende - Anhaltspunkte für die Gefährdung vorliegen und sich die Anhaltspunkte auf ein konkretes, namentlich bekanntes Kind beziehen. Anhaltspunkte ergeben sich aus eigenen Wahrnehmungen, Erzählungen des Kindes/Jugendlichen und fachlichen Schlussfolgerungen. Über den eigenen Aufgabenbereich hinausgehende Nachforschungen sind nicht notwendig, einfache Nachfragen hingegen schon.

5) Personalauswahl und Einarbeitung bei Wild Sein

Wir legen großen Wert darauf, dass alle Personen, die mit dem Verein Wild Sein zusammenarbeiten, mit den Vereinsstatuten vertraut sind und aktiv zur Umsetzung unserer Ziele beitragen.

Vorgehen bei der Personalauswahl

  • Erstgespräch: Besprechung der Vorerfahrungen im pädagogischen Bereich (Wald-, Natur-, Erlebnis- und Wildnispädagogik). Erfahrung in der Natur ist eine grundlegende Voraussetzung für die Arbeit bei Wild Sein.
  • Schnuppertermin: Um sicherzustellen, dass die Zusammenarbeit für beide Seiten gut passt, bieten wir eine gemeinsame Praxiseinheit an.
  • Einarbeitungsphase: Neue Teammitglieder arbeiten zunächst mit einer erfahrenen Person zusammen, um die Strukturen des Vereins kennenzulernen (z. B. Redekreis, Haltung, Werte).
  • Verhaltenskodex: Alle neuen Mitarbeitenden unterschreiben den Wild Sein-Verhaltenskodex „Gemeinsame Haltung“, der wesentliche Leitlinien im Umgang mit Kindern und Jugendlichen enthält.
  • Strafregisterbescheinigung: Jede Person, die mit Wild Sein zusammenarbeitet, legt eine Strafregisterbescheinigung für Kinder- und Jugendfürsorge vor.

6) Verwendung von Social Media, Fotos und Videos bei Wild Sein

Bei jeder Anmeldung zu einem Kurs oder Camp von Wild Sein holen wir die Einwilligung ein, Fotos und Videos von minderjährigen Teilnehmenden anfertigen zu dürfen. Diese Aufnahmen werden für Werbezwecke sowie für unseren Social-Media-Auftritt genutzt.

Wir legen großen Wert darauf, dass die veröffentlichten Fotos und Videos die Würde der Kinder und Jugendlichen wahren. Bilder, die als peinlich empfunden werden könnten oder starke emotionale Reaktionen zeigen, werden nicht verwendet.

Sollte es zu einer Grenzverletzung durch die Veröffentlichung oder Verbreitung unangemessener Aufnahmen kommen, leitet der Vorstand bzw. die*der Kinderschutzbeauftragte entsprechende Maßnahmen ein (siehe Punkt 4: Meldewesen und Interventionsplan). Die Veröffentlichung von Fotos auf unseren Social-Media-Kanälen erfolgt ausschließlich durch den Vorstand oder unsere Social-Media-Beauftragte. Eltern können Fotos aus den einzelnen Gruppen beispielsweise über WeTransfer oder per Cloud-Link erhalten.

7) Beratungsstellen in Wien 

Kinderschutzzentrum Wien 
www.kinderschutzzentrum.wien
Bietet vertrauliche Beratung und Psychotherapie für betroffene Kinder und Jugendliche.

Die Möwe - Kinderschutzzentrum Wien
www.die-moewe.at
Unterstützt Kinder und Jugendliche in belastenden Situationen, insbesondere bei physischer, sexueller und psychischer Gewalt

Beratungsstelle für sexuell missbrauchte Mädchen und junge Frauen
www.aktiv4u.at
Spezialisiert auf Beratung für Mädchen und junge Frauen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben.

TAMAR - Beratungsstelle für misshandelte und sexuell missbrauchte Frauen und Mädchen
www.tamar.at
Bietet Beratung für Betroffene sowie deren Angehörige und Bezugspersonen.

Gewaltschutzzentrum Wien 
www.gewaltschutzzentrum.at
Unterstützt direkt betroffene Kinder und Jugendliche sowie minderjährige Zeug*innen von Gewalt.

Kinder- und Jugendhilfe MA11
www.wien.gv.at/kontakte/ma11/
Meldung bei Kindeswohlgefährdung
Servicetelefon: +43 1 4000-8011
Beratungszeiten: Mo. bis Fr., 8 bis 15.30 Uhr

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